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Abstract 


 

 

Zur Validität der Gewichtung der Items für den Lebensstandard

Halil Duran
GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften

In der Sozialberichterstattung sowie der Armutsforschung wird für die Messung des Lebensstandards bzw. der materiellen Deprivation zumeist ein ungewichteter additiver Index herangezogen (BMAS 2017b), welcher i.d.R. aus 13 - 23 Items besteht. Die darin implizit enthaltene Annahme, dass alle Items das gleiche Ausmaß bzw. die gleiche Schwere an Deprivation aufweisen, ist mindestens fragwürdig. Denn die Entscheidung für die Gleichgewichtung von Items wird damit begründet, dass hohe Korrelationen zwischen gewichteten Indizes und dem ungewichteten vorliegen und sie daher austauschbar seien (bspw. Lipsmeier 1999: 290; Guio et al. 2012: 110).

Zwar ist die Kriteriumsvalidität mit Hilfe eines „Außenkriteriums“ als Betrag der Korrelationen beider Messinstrumente definiert (Lord & Novick 1968: 61), gemessen wird jedoch die Stärke des linearen Zusammenhangs des interessierenden Merkmals (hier: ungewichteter Index) und dem externen Merkmal (hier: gewichteter Index) und nicht der Grad der intra-individuellen Übereinstimmung von Messwerten. Deshalb ist die Kriteriumsvalidität in diesem Sinne zur Überprüfung der Austauschbarkeit von Indizes wenig geeignet.

Im Unterschied hierzu wird in der vorliegenden Studie der von Lin (1989: 258) vorgeschlagene Konkordanz-Korrelationskoeÿzient genutzt. Dieser berücksichtigt unter anderem die durchschnittliche Differenz der Messwerte sowie additive/multiplikative Skalenunterschiede. Der Konkordanz-Korrelationskoeÿzient ermöglicht somit eher eine Beurteilung der Austauschbarkeit von Indizes (bzw. der Validität des ungewichteten additiven Index), vor allem auf individueller Ebene.

Im Vortrag sollen erste Ergebnisse auf Basis der Daten des Panel Arbeitsmarkt und So-ziale Sicherung (PASS) vorgestellt werden. Es wird aufgezeigt, dass die Frage nach der Validität des ungewichteten additiven Index nicht nur methodisch relevant ist, sondern auch von sozialpolitischer Bedeutung ist, weil die Entscheidung für einen gewichteten Index, wie gezeigt werden wird, erheblichen Einfluss auf die daraus abgeleiteten Deprivationsquoten hat und somit letztlich für die Sozialberichterstattung bzw. für die sozialpolitische Agenda von Bedeutung ist.